Nach der Great Ocean Road ging es vom Ozean in die Berge – in die Grampians. Nach einer sehr kalten Nacht stiegen wir auf den Mt. William und genossen die weiten Blicke ins Land. Gunnar nutzte dabei gleich den Internetempfang in der Höhe aus (auf dem Berg war ein riesiger Sendemast) und setzte mit seinem iPhone E-Mails in die Heimat und an die Gastfamilie in Sydney ab. Nach ein paar weiteren beeindruckenden Lookouts sahen wir auch eine alte Höhlenmalerei der Aborigines – der Ureinwohner, die bereits seit über 40.000 Jahren den australischen Kontinent bewohnen. Naja, die Malerei war weniger spektakulär als die Geschichte, die sich dahinter verbergen soll…
Auf dem Weg aus den Bergen fuhren wir durch mehrere Heuschreckenschwärme. Die Tierchen flogen gegen die Windschutzscheibe (plong) bzw. klebten danach am Kühlergrill und wurden am Abend von den Wespen auf dem Campingplatz gefressen. Dieser lag an einem See (mit dem lustigen Namen Natimuk), auf dem man Boot und Wasserski fahren darf. Doch es war kein Tropfen Wasser zu sehen! Dafür gab es unzählige fingerlange Motten und anderes Insektenzeug, das nachts gegen unseren Campervan flog – plong, plong.
Mit der Fähre von Tasmanien kamen wir nach 9 Stunden abends im schönen Melbourne (nicht Mel Gibson 😉 ) an, wo wir unsere Rucksäcke ins Hostel Olembia im am Strand gelegenen Bezirk St Kilda schleppten. Unser 6-Bett-Zimmer stank zwar nach Männerfuß, aber die Atmosphäre und die Leute im Hostel, übrigens meist Deutsche, waren angenehm. Mit uns in der Stadt angekommen war auch der Herbst, so dass wir mit Regenjacken bewaffnet die City erkundeten: eine sehr relaxte, offene und kreative Stadtkultur, die uns an Berlin erinnerte, wodurch wir uns gleich heimisch fühlten. Besonders gefangen nahm uns das Australian Centre for the Moving Image mit seinen interaktiven Ausstellungen rund um Film, Computerspiele und Internet. So macht Museum richtig Spaß! Außerdem stand echte Politik auf dem Programm: Wir schauten in eine Sitzung des Parlaments vom Bundesstaat Victoria rein, bei der es teils recht hitzig zuging: sehr witzig!
Neben der Stadterkundung standen nun die wichtigen Entscheidungen an: Wo geht die weitere Reise hin? Können wir uns durchs Outback quer durch Australien wagen? Reicht die Zeit überhaupt aus? Kaufen wir uns ein Auto oder mieten wir eins? So viele Fragen und wo anfangen? Da hilft am besten reden – und zwar mit anderen Backpackern und Australiern. So wurde uns schnell klar, dass wir fürs Auto-Kaufen/Verkaufen mindestens zwei Wochen unseres Urlaubs investieren müssten. Und da so ziemlich jeder Befragte „Western Australia“ zu seinen schönsten Erlebnissen zählte, warfen wir unsere Pläne am Ende nochmal um und entschieden uns für die ganz große Tour von Melbourne nach Darwin über Perth mit einem gemieteten Campervan. Wegen des Herbstes verließen aber nun gerade auch alle anderen Backpacker Melbourne Richtung Norden, so dass es für unser Budget nur noch den Cheapa-(aber Luxus-)Camper Toyota HighTop UKW 148 gab, liebevoll von uns „Uki“ genannt.
…als Entschädigung für die lange Zeit ohne Lebenszeichen nun ein etwas längerer Bericht von der australischen Insel Tasmanien:
Mit dem relativ teuren Flieger ging es vom sonnigen Manly (Sydney) rüber nach Tassi (Tasmanien). In Hobart holten wir unseren kleinen orangen Mietwagen ab und düsten los über die Insel, wo der Teufel schon auf uns wartete.
Tasmanian Devil Conservation Park, Taranna
Die kleinen Teufel sind von einem aggressiven Gesichtskrebs bedroht, für den es bisher keine Heilung gibt. Der Conservation Park versucht die Gegend der Halbinsel von kranken Tieren frei zu halten und fördert die Vermehrung der gesunden, damit wir auch in zehn Jahren noch diese einzigartigen Beuteltiere bestaunen können. Neben der lauthalsigen Fütterung der Tasmanischen Teufel konnte Gunnar seine ersten Kängurus und Wallabies (kleinere Kängurus) sehen und sogar streicheln.
Sehr zufrieden reisten wir gen Norden an der Küste entlang, über Swansea (mit dem luxuriösen aber seelenlosen „Airporthostel“) hoch nach St. Helens. Da wir aber die Tankanzeige aus den Augen verloren hatten, mussten wir einen schweißgebadeten 20 Minuten-Umweg den Pass nach St. Marys hinauf machen, in der Hoffnung, dort eine Tankstelle zu finden. Die ersten Meter des Ortes ließen genau das Gegenteil vermuten – menschenleer und keine Geschäfte. Doch dann erlöste uns eine kleine teure Tankstelle. Also wieder den kurvigen Berg hinunter und schließlich nach St. Helens.
Bislang war das Wetter zwar kühl, aber ohne Regen. Auch als wir den angeblich zweitschönsten Strand der Welt besuchten: The Bay of Fires.
Am nächsten Tag holte uns dann aber der Regen ein, so dass wir den Cradle Mountain nur hinter dichten Wolken vermuten konnten. Anyway, die Wanderung war trotzdem schön.
Nach 7 Tagen Tassi sollte es von Devonport mit der Fähre zurück aufs Festland nach Melbourne gehen. Die Nacht in Devonport (einer hässlichen Industriestadt an der Nordküste) verbrachten wir in dem wohl fürchterlichsten Hostel der ganzen Insel. Ricarda stellte die Vermutung auf, dass die Frau, die uns die Schlüssel fürs Zimmer gab, den eigentlichen Besitzer umgebracht hatte und nun den Hostelbetrieb aufrecht erhielt, um keinen Verdacht zu schüren. Hygiene interessierte sie nicht. In dem Hostel hatte seit Wochen niemand geputzt: Der Boden klebte und überall lagen schwarze Haare und Dreck – iiiiihhhh! Das war so widerlich, dass wir für die letzte Unterkunft sogar wieder 50 km weg von der Fähre nach Burnie fuhren. Das war aber unser Glück, denn so entdeckten wir den atemberaubenden Leven Canyon.
Befinde mich am anderen Ende der Welt, doch meine Gedanken sind mir den langen Flug hierher gefolgt. Tatsächlich waren sie nicht eine Sekunde fort. Wie einen Rucksack trage ich sie von einem Ort zum nächsten: Ich setze sie ab, nehme sie wieder auf und einige lasse ich zurück, um neue einzupacken. Der Rucksack liegt schwer auf den Schultern, doch die Last erdrückt nicht mehr wie noch vor zehn Tagen.