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90 Mile Straight – umgekippt

Auf der Straße durch die weite, eintönige Nullarbor gibt es einen Abschnitt von knapp 150 km ohne jede Kurve. Auf dieser „90 Mile Straight“ fand unsere Reise ein plötzliches Ende: Wir waren circa 30 km auf der schnurgeraden Straße fröhlich unterwegs, als plötzlich einer der entgegenkommenden Road Trains (riesiger LKW) auf unsere Spur zog – nur eine Sekunde bevor wir auf derselben Höhe mit ihm waren. Wir mussten ausweichen, denn einen Frontalzusammenstoß hätten wir sicher nicht überlebt. Ausweichen hieß auf den Schotter neben der Straße – mit Reisegeschwindigkeit keine so gute Idee. Der Road Train zog glücklicherweise wieder zurück auf seine Spur – andernfalls hätte er uns wahrscheinlich noch erwischt. Der nächste Reflex war also, wieder auf die Straße zurück zu kommen. Dabei kamen wir jedoch ins Schlingern (Elchtest!) und kippten mit unserem hohen Campervan einfach auf die Fahrerseite um. Uki rutschte kurz auf der Seite und blieb dann direkt neben dem Asphalt liegen.

Fast 150 km keine Kurve

 

Wirklich keine Kurve

 

Road Train

Wie durch ein Wunder blieben wir – neben ein paar Prellungen – unverletzt und kletterten geschockt aus dem umgekippten Auto. Der Fahrer des Road Trains, der wahrscheinlich kurz eingenickt war und unseren Unfall verschuldete, war fort! Die australische Polizei nennt das einen „Hit and Run“. Der nächste Road Train hielt jedoch und nahm uns mit zum Roadhouse in Caiguna. Der Fahrer eines weiteren LKWs versprach zu warten und die Unfallstelle zu sichern. Die Betreiber des Roadhouse informierten die Polizei und fuhren mit uns in ihrem Geländewagen zum Unfallort. Dort blockierte dann ein weiterer Fahrer mit seinem LKW die Straße und alle anderen packten mit an und stellten den Campervan mit Hilfe von Metallketten wieder auf die Räder. Ein geplatzter Reifen wurde schnell gewechselt und dann fuhren wir tatsächlich mit dem Unfallauto wieder zurück zum Roadhouse.

Die Nacht verbrachten wir schlaflos in einem Motel-Zimmer. Nach dem Anruf bei der Autovermietung am nächsten Morgen waren wir so klug wie zuvor. Entweder wir konnten 2 Tage (Feiertag!) in der Einöde warten und einen Abschleppwagen auf eigene Kosten von der knapp 400 km entfernten nächsten Stadt Norseman kommen lassen oder das Auto selbst dorthin bringen. Hilfe – nein; aber die vertragliche Unfall-Selbstbeteiligung in Höhe von 2.800 Dollar wurde sofort von der Kreditkarte eingezogen. Im Gegensatz zur Autovermietung verlangten unsere Helfer vom Roadhouse netterweise kein Geld für ihre Hilfe.

Uki nach dem Unfall

Also fuhren wir Uki Probe: Lenkung, Bremse und Schaltung zeigten sich tadellos; Flüssigkeiten traten ebenfalls nicht aus. Zwar fehlte der rechte Außenspiegel und die Fahrertür ließ sich nicht öffnen, aber Uki war grundsätzlich fahrtüchtig. Und so räumten wir das totale Chaos im Innenraum auf, klebten die kaputten Fensterscheiben ab und fuhren 400 km nach Norseman. Dort reparierten wir die zerstörte Inneneinrichtung des Vans, stellten ihn dem Mechaniker vor und ließen uns selbst im Krankenhaus durchchecken. Fazit: Alle Patienten waren straßenfest – es konnte weitergehen. Achja, wir waren auch auf dem Polizeirevier. Dort verwies man uns auf eine Internetseite der Polizei, wo wir den Unfall melden sollten. Die Webadresse wusste die Polizistin leider nicht genau und empfahl uns, diese zu googeln – kein Witz! Der im Internet ausgefüllte Crash-Report ging dann automatisch nach Perth, von wo die Zuständigkeit dann wohl wieder an die lokale Stelle in Norseman gegeben wird. Das dauert aber einige Zeit, in der selbstverständlich nichts für die Suche nach dem flüchtigen Unfallfahrer unternommen wird.

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Nullarbor – null Baum

Es war soweit! In Ceduna angekommen, füllten wir unsere Wasserbehälter und dann stürzten wir uns ins große australische Abenteuer: die Durchquerung der Nullarbor, einer riesigen ebenen Halbwüste. Hier gibt es nichts außer einer ewig langen Straße mit vielen Road Trains (bis zu 50 Meter lange LKWs) und einem immer gleichen Ausblick auf Spinifexgras, ein paar einsame Büsche und tote Kängurus am Straßenrand (Road Kill – Road Trains bremsen nicht!). Ältere Australier erzählten uns, wie sie hier vor 30 oder 40 Jahren noch über eine Buckelpiste fuhren, beladen mit Lebensmitteln und Kanistern voll Benzin und Wasser, und nicht wussten, ob oder wann sie ihr Ziel erreichten. Naja, mittlerweile führt eine gut ausgebaute Straße durch die Nullarbor-Ebene, die von vielen Campern befahren wird, und alle 200 km verkauft ein Roadhouse überteuertes Benzin, fettiges Essen sowie Motelzimmer und Campingplätze.

Straße ins Nichts

 

Potentieller Road Kill (Kamel, Wombat, Känguru)

 

Roadhouse

Für die nächsten drei Tage hieß es also fahren, fahren und fahren. Das hört sich eintönig an – ist es auch – hat aber auch Highlights: Wir trafen unseren ersten Dingo, machten lustige Fotos vor Straßenschildern und bestaunten die Ausblicke aufs weite tosende Meer, an das die Nullarbor-Ebene im Süden trifft. An der steilen und rauen Felsenküste entsteht ein überwältigender Eindruck und man fühlt, wie der australische Kontinent ganz plötzlich aus dem Meer erwächst. Die nächste Landmasse gen Süden ist erst wieder die Antarktis.

Unter den Reisenden trifft man neben eher jungen Campern aus der ganzen Welt vor allem viele ältere australische Paare, die mit der Rente nun endlich ihr Land erkunden. Für sie gibt es auf der Nullarbor ein besonderes Highlight: An jedem Roadhouse können sie ein Loch des längsten Golfkurses der Welt spielen – nach dem langen Sitzen im Auto eine gute Abwechslung.

Dingo (Australischer Wildhund)

 

Noch ein lustiges Tier

 

Southern Ocean (Südlicher Ozean)

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Eyre Peninsula – eklig luxurioes

Die Spinne im Auto überlebt, machten wir uns auf zur Eyre Peninsula. In Port Augusta klapperten wir die obligatorischen Punkte eines jeden Campers ab, der in die nächste größere Stadt kommt (Visitor-Info, Woolworths (Supermarkt), Tankstelle, Kaffee und Eis :-)), als dunkle Wetterwolken aufzogen und es zu stürmen begann. Der Regen prasselte am Horizont nieder und wir fuhren los, den Regenwolken immer kurz vor der Nase davon. Am Abend erfuhren wir, dass das Unwetter in Port Augusta so schwer war, dass viele Orte ohne Strom waren und in Kalgoorlie im Inneren des Landes soll es zudem fünf Erdbeben gegeben haben, so dass die Minen schließen mussten. Sturm und Erdbeben – das war etwas unheimlich. Doch wir genossen den Abend ohne Strom und vor allem ohne Sturm, mit einem farbenfrohen Sonnenuntergang, den „Little Shags“ (australische Kormorane) auf dem Bootssteg und sanftem Meeresrauschen.

In Australien gibt’s auch Regen

 

Der Tag klingt aus
Little Shags (Kormorane) am Stammtisch

 

In Port Lincoln an der Südspitze der Halbinsel gönnten wir uns zur Abwechslung dann mal richtig Luxus: Wir kochten diesmal nicht im Auto oder in der Campkitchen (Campingplatzküche), sondern gingen aus. Im Del Gornios bestellten wir frischen Fisch und Wein bzw. Bier aus der Region. Mmmhh, das war yummy! Und für das Dessert besuchten wir ganz stilecht Maccas – wie McDonalds hier genannt wird – um das kostenlose, ewig langsame Wi-Fi (WLAN) für den nächsten Blogeintrag zu nutzen. Auch am nächsten Tag frönten wir dem Luxus und schlürften herrlich salzige Austern (Oysters) in Coffin Bay, übrigens für Ricarda die ersten überhaupt.

Nach einem frischen Bad im Southern Ocean gab es erneut eine unheimliche Begegnung mit den achtbeinigen Krabbeltieren. Dieses Mal überzogen Hunderte kleine Spinnen im Team und innerhalb nur einer halben Stunde die komplette linke Seite des Autos mit ihren Netzen. Ricarda stieg lieber über die Fahrerseite auf den Beifahrersitz und dann kämpften wir mit schnellem Fahrtwind gegen die Spinnenplage an. Und wo wir schon bei ekligen Tiergeschichten sind: Uns flog am späten Nachmittag ein kleiner grüner Papagei vor’s Auto – die Australier nennen das liebevoll „Road kill“. Gunnar hatte später die ehrenvolle Aufgabe, den toten Vogel aus dem Bugspoiler zu angeln und zu beerdigen (bzw. in den Busch zu werfen).

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Adelaide – Achtung Spinne!

Nach einer langen Fahrt kamen wir abends in Adelaide an, wo sich TomTom auf dem iPhone als wenig hilfreich erwies: „Fahren sie im Kreisverkehr die zweite Ausfahrt raus“, war der Befehl als wir an eine T-Kreuzung kamen. Also schlugen wir uns mit der guten alten Karte durch die Stadt und huppelten im Sonnenuntergang auf Gunnars erster australischen Gravel Road (Schotterstraße / Buckelpiste) Richtung Campingplatz am Strand, wo uns ein Schild begrüßte: „Closed due filming“ (wegen Dreharbeiten geschlossen). Also irrten wir im Dunkeln durch eine auf dem Reißbrett angelegte, seelenlose Vorstadtsiedlung und hatten keine Idee, wo es zum nächst genannten Campingplatz ging. Wir machten uns auf eine Nacht am Straßenrand gefasst als wir doch noch einen Menschen fanden, der sich auskannte: zurück auf die Autobahn und in 3 Minuten wären wir endlich da.

Als wir auf die Autobahn bogen, waren jedoch nicht nur Lichter der Autos durchs Fenster zu sehen. Direkt neben Gunnars Gesicht krabbelte eine große orange-braune Spinne an der Scheibe – im Inneren des Autos! Oh Gott – eine Spinne in Australien. Die ist bestimmt giftig. Was tun? Gunnar warnen und durch die bestimmt folgende Panikattacke auf der Autobahn einen Unfall riskieren? Aber irgendwie mussten wir uns doch retten!

Iiieeehhh!!! (Foto aus dem Internet)

„Gunnar, neben Deinem Gesicht krabbelt eine riesige Spinne am Fenster, bleib ganz ruhig, schau nach vorn, fahr die nächste Ausfahrt raus und halt an der Seite an.“ Hah! Das hatte Ricarda leicht gesagt.

Aber Gunnar blieb ruhig, hielt sicher an und wir sprangen aus dem Auto. Die Spinne, wahrscheinlich genauso erschrocken wie wir, krabbelte im Taschenlampenlicht irre schnell durchs Auto. Dann trat Gunnar an der Beifahrertür energisch zu. Gerettet – ein Schmierfleck war zu sehen! Doch wo war die Spinne? Tot oder noch irgendwo im Auto? Konnten wir die Nacht im Campervan gefahrlos verbringen? Oder würde sich die Spinne für ein zertretenes Bein rächen?

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The Grampians – grenzenloser Blick

Nach der Great Ocean Road ging es vom Ozean in die Berge – in die Grampians. Nach einer sehr kalten Nacht stiegen wir auf den Mt. William und genossen die weiten Blicke ins Land. Gunnar nutzte dabei gleich den Internetempfang in der Höhe aus (auf dem Berg war ein riesiger Sendemast) und setzte mit seinem iPhone E-Mails in die Heimat und an die Gastfamilie in Sydney ab. Nach ein paar weiteren beeindruckenden Lookouts sahen wir auch eine alte Höhlenmalerei der Aborigines – der Ureinwohner, die bereits seit über 40.000 Jahren den australischen Kontinent bewohnen. Naja, die Malerei war weniger spektakulär als die Geschichte, die sich dahinter verbergen soll…

Monet

 

Erfrischung am See

 

Mt. William
Guter Empfang

 

Wir sind nicht allein

 

Höhlenmalerei

Auf dem Weg aus den Bergen fuhren wir durch mehrere Heuschreckenschwärme. Die Tierchen flogen gegen die Windschutzscheibe (plong) bzw. klebten danach am Kühlergrill und wurden am Abend von den Wespen auf dem Campingplatz gefressen. Dieser lag an einem See (mit dem lustigen Namen Natimuk), auf dem man Boot und Wasserski fahren darf. Doch es war kein Tropfen Wasser zu sehen! Dafür gab es unzählige fingerlange Motten und anderes Insektenzeug, das nachts gegen unseren Campervan flog – plong, plong.

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